Von:
Barbara Dietzfelbinger

e-mutter.de

Ich sehe meiner Mutter sehr ähnlich. Das fand ich nicht immer angenehm. Ich wollte mich von ihr unterscheiden. Dennoch: nach der Mutter sehnte ich mich, wenn ich fort war. Und ich strebte von ihr weg, wenn ich zu lange daheim war. Liebe ich meine Mutter? Eine junge Frau schickt jedes Jahr an ihrem eigenen Geburtstag ihrer Mutter einen Blumenstrauß mit den Worten: „Mein Dankeschön, dass Du mich ins Leben gebracht hast.“ So könnte ich es auch sagen.

Ich bin fünffache Mutter. Meine Tochter sieht mir sehr ähnlich! Zu jedem Kind hatte und habe ich ein anderes Verhältnis. Mutter hat eine Vorstellung, und das Kind folgt seinem innersten Wesen. Beides muss aufeinander abgestimmt werden. Es ist ein Weg mit Versuch und Irrtum.

Mütter sagen oft mit schlechtem Gewissen, wenn es nicht so klappt, wie gedacht: „Ich mache sicher alles falsch“. Der Gedanke ist mir vertraut. Woran soll eine Mutter sich denn orientieren? Von allen Seiten glauben Verwandte, Freundinnen, Zeitschriften etc. mitreden zu können. Alle meinen zu wissen, was eine gute Mutter zu tun hat. Sie messen sie an der Sehnsucht nach der eigenen Kindheit. Alle haben jedoch eine wirkliche Mutter erlebt. Ich habe gelegentlich professionelle Hilfe in Anspruch genommen, um dem einzelnen Kind gerecht zu werden und auch, um mich zu entlasten.

Freilich tragen Mütter eine große Verantwortung. Wer Verantwortung übernimmt, macht Fehler. Unschuldig kommen wir nicht davon, die Kinder ebenso wenig. Deshalb brauchen wir die Bitte um Vergebung und den Mut, wieder neu anzufangen. Über die eigenen Grenzen hinaus, kann keine, auch die beste Mutter nicht gehen. Persönliche Stärken und Schwächen fließen in die mütterlichen Pflichten mit ein. Mutter kann aus ihrer Haut nicht raus, wenn sie auch manchmal aus der Haut fährt. Über die eigenen Fehler zu lachen, gibt uns die Chance, mit denen der anderen versöhnlich umzugehen.

Ich nenne die Mütter die Kinder Gottes, denen Leben anvertraut ist. Wie eine Mutter begleitet Gott diese Kinder. Wenn wir uns daran gelegentlich erinnern, könnten uns mütterliche Aufgaben leichter von der Hand gehen.